Management Review der Transformationsstrategie Ostwürttemberg
Strategische Kurzübersicht
Im Rahmen des Masterplans „Offensive Zukunft Ostwürttemberg“ wurde das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg etabliert. Koordiniert wird es von der IHK Ostwürttemberg gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO), dem Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e. V. sowie der IG Metall Aalen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim. Im Mittelpunkt des Strategieprozesses steht der dialogbasierte Austausch mit Unternehmen und regionalen Akteuren, um zentrale Herausforderungen und Handlungsbedarfe der Transformation zu identifizieren, daraus gemeinsam Maßnahmen abzuleiten und konkrete Projekte umzusetzen. Ziel ist es, die Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Ostwürttemberg bei der Bewältigung des Strukturwandels zu unterstützen und die Chancen der Transformation aktiv zu nutzen. Die vorliegende Transformationsstrategie bündelt die Ergebnisse dieses Prozesses. Sie beschreibt zentrale Handlungsfelder und leitet daraus konkrete Maßnahmen und Projektansätze für die weitere Arbeit des Transformationsnetzwerks ab.
Die Region Ostwürttemberg ist mit 455.000 Einwohnern und einer Bruttowertschöpfung von 41 % im verarbeitenden Gewerbe eine der industriestärksten Regionen Deutschlands. Die Automobilwirtschaft trägt hier 10,8 % zur Wertschöpfung bei (Bund: 9 %) und beschäftigt 21.500 Erwerbstätige. Gleichzeitig steht die Branche vor existenziellen Herausforderungen durch Elektrifizierung, Digitalisierung und internationale Konkurrenz.
Die Region ist überdurchschnittlich von der Automobilindustrie abhängig (Bund: 9 %, OW: 10,8 %). Der Strukturwandel erfordert aktives Gestalten statt passiven Reagierens – mit Fokus auf Innovation, Diversifizierung und Fachkräftesicherung. Ohne gezielte Maßnahmen drohen Technologieanschlussverlust, Arbeitsplatzabbau und Wettbewerbsnachteile.
Zentrale Analyseergebnisse
Stärken
- Hohe Innovationskraft (36,5 Patentanmeldungen/10.000 Beschäftigte, Bund: 14,9)
- Starke industrielle Basis (41 % Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe)
- Etablierte Hochschulen (Hochschule Aalen, DHBW Heidenheim)
- Dichtes Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung
Schwächen
- Negativer Wanderungssaldo bei Young Professionals
- Fachkräftemangel (18 % Helfer-Anteil & unterdurchschnittlicher Akademikeranteil)
- Geringer Beschäftigtenanteil in Chancenfeldern der Automobilindustrie (E-Mobilität, autonomes Fahren, Vernetzung)
- Geringe Lokalisation und geringer Anteil der IT-Branche (IKT-Berufen)
- Wertschöpfungspotenziale in Zukunftsprodukten und -märkten häufig nicht bekannt
Chancen
- Domainwissen und Marktpotenziale in Zukunftsfeldern: E-Mobilität, vernetztes Fahren, Komfort und Sicherheit
- Steigerung der Technologieaffinität junger Menschen durch erlebnisorientierte Angebote
- Diversifizierung in Wasserstoff, Green Economy und nicht-automobile Märkte (Nutzfahrzeuge, Bahn, Luft- & Raumfahrt, Medizintechnik)
Risiken
- Hoher Substituierbarkeitsgrad von niedrigqualifizierten Beschäftigten
- Arbeitsplatzverluste in Schlüsselberufen (Maschinen- und Fahrzeugtechnik: -6,7 % bis 2040)
- Verspätete Transformation: fehlende Kapazitäten sowie vermindertes Bewusstsein und Sensibilität („im Alltagsgeschäft gefangen“)
- Digitalisierungsrückstand in Produktion und Verwaltung
- Verlust des Technologieanschlusses an internationale Wettbewerber
- Hohe Entwicklungskosten für neue Produkte und Investitionen
Strategischer Ansatz & Zielbild
Vision
„OSTWÜRTTEMBERG – AKTIV IM WANDEL: ZU[KUNFTS]LIEFERER DER NACHHALTIGEN TRANSFORMATION“
Mission
„Die Region Ostwürttemberg soll die Automobilwirtschaft befähigen, zukunftsfähige Geschäftsmodelle erfolgreich umzusetzen.“
Ziel
Um Vision und Mission zu erfüllen wurden fünf strategische Ziele definiert, die das Transformationsnetzwerk erreichen sollte. Diese wurden auf Basis der Bestandsanalyse und des Beteiligungsprozesses abgeleitet und richten sich an den zentralen Herausforderungen der Region aus:
Im Mittelpunkt steht die Unterstützung der KMU auf ihrem Weg in die Transformation – durch niedrigschwellige Transformationshilfe, die KMU abholt, motiviert und begleitet, mit dem Ziel, ihre Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu stärken. Darüber hinaus gilt es, qualifizierte Nachwuchs- und Arbeitskräfte für die Region zu gewinnen und zu halten – durch bedarfsgerechte Ausbildung, lebenslanges Lernen und attraktive Arbeitsplätze, die auch für die Generation Z zukunftsfähig sind. Ein innovationsorientiertes Netzwerk- und Communitybuilding soll Synergien schaffen, Kooperationen anregen und eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens fördern. Gleichzeitig sollen Wertschöpfungspotenziale der Digitalisierung verständlich aufgezeigt und Technologien für Unternehmen zugänglich gemacht werden. Schließlich sollen attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen und Fachkräfte geschaffen werden, damit sich Unternehmen in der Region ansiedeln und langfristig erfolgreich agieren können – und Ostwürttemberg auch überregional sichtbarer wird.
Priorisierte Handlungsfelder & Maßnahmen
Die Maßnahmen leiten sich aus den Analysen ab und werden den fünf Handlungsfeldern zugeordnet, die die zentralen Herausforderungen systematisch angehen. Die Priorisierung erfolgte durch eine breit besetzte Expertengruppe. Das Handlungsfeld Innen- & Außenmarketing nimmt eine Querschnittsfunktion ein.
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